Wir ziehen um!

In einem fremden Land, mit ungewisser Zukunft und ohne zu Hause… so konnte es nicht weiter gehen!

Schon nach nur einem Tag in unserem Hotel war für uns klar: wir brauchen ein zu Hause! Niemand weiß, wie lange wir in Australien festsitzen werden, aber es sieht nach einer ganzen Weile aus. Das Hotel war zwar so ganz hübsch, aber es fehlte irgendwie an diesem heimischen Gefühl und außerdem ist es auf Dauer ziemlich teuer und das Geld ist eh schon knapp.

Also setzen wir auf der Byron Bay FB Seite einen Post rein, in dem wir unsere Lage schilderten. Zu unserer großen Überraschung haben wir sehr viele Nachrichten bekommen. Die meisten wollten uns einfach viel Erfolg wünschen und etwas Mitleid schenken – hat unsere Herzen auch sehr erwärmt, aber gebracht hat es nicht wirklich was – aber es gab auch einige die uns ihre Ferienwohnungen zu günstigen Preisen angeboten haben, an Urlauber vermieten können sie es momentan sowieso nicht.

So kommt es, dass wir nun in einem wunderschönem Strandhaus in einem hippen 3,5-tausend-Leute-Kaff an der Ostküste Australiens wohnen.

Unser neues Wohnzimmer: ich hab ein Puzzle gefunden und wollte es eigentlich puzzeln, aber jetzt liegt es seit zwei Tagen unberührt im Weg rum

Für Anke geht ein Traum in Erfüllung, schon mein ganzes Leben musste ich mir anhören, dass sie eigentlich am Strand wohnen will und dieses Stadtleben ihr immer auf den Keks geht. Wer hätte gedacht das ihr Wunsch aus einer Notlage raus erfüllt wird ;D Für mich ist es nach fast 9 Monaten am Strand zur Gewohnheit geworden, ein glückliches Leben ohne Meernähe ist für mich einfach nicht mehr vorstellbar! Ich bin unglaublich dankbar, dass ich dazu die Möglichkeit habe!

quasi direkt vor der Haustüre!

Schon nach 2 Tagen fühle ich mich in unserem neuen Zuhause pudelwohl. Der Surf ist gut und nur 50m von meinem Wohnzimmer entfernt, die Sonne scheint und es gibt genug zu essen – sogar Klopapier konnten wir ergattern! Das Leben fühlt sich fast wieder normal an. Doch im Hinterkopf schwirrt irgendwo noch die Geldsorge rum. Momentan einen Job zu bekommen ist aufgrund der Krise pur unmöglich. Das Ersparte reicht auch noch ne Weile, die Frage ist nur: reicht es lange genug?

Einmal nach Australien – und zurück?

Weshalb CORONA DARAN SCHULD IST, DASS MEIN ZUHAUSE AUF VIER ROLLEN NUN IN EINER AUSTRALISCHEN TIEFGARAGE VERWEILT 

Vor nun über einem halben Jahr ging es für mich los. Ich verabschiedete mich von all meinen Freunden, Familie und meinen Hund und sagte meinem alten Leben Adieu. Ab nun sollte ich ganz auf mich allein gestellt als Backpacker Australien erkunden. Ich sah die nächsten zwei Jahre als die Zeit meines Lebens vor mir! 

Und so begann meine Reise in Perth im Westen Australiens. Ich ging jeden Tag surfen, lernte viele wunderbare Menschen kennen und hatte mich schon nach einem Monat total in das Land und sein Volk verliebt! 

Den Sommer verbrachte ich in einem kleinen Dorf, wo ich als Bauarbeiter mein Budget auffüllte. Ganz nach ‚The Endless Summer‘ ging es danach erstmal für einen Monat nach Indonesien in den ‚Urlaub‘, wo ich zusammen mit zwei engen Freunden einen unvergesslichen Surftrip erlebte. 

Zurück in Australien kaufte ich mir einen 1986 Oldtimer-Van, um die Küste zu bereisen und mit ca. 90% der australischen Bevölkerung in überfüllten Gewässern die besten Surfspots der Welt zu besurfen. 

Vor gut 2 Wochen kam mich dann meine Mama besuchen. Anke plante für fast einen Monat zu bleiben, um danach wieder zu ihrem Job in Deutschland zurück zu kehren. Corona war zwar schon ein Thema, auch in Deutschland, doch Reisen ging noch uneingeschränkt und auch in Australien war die Welt noch ganz normal. 

Wir begannen unseren Roadtrip mit Sonnenschein und perfekten Wellen, surften an Stränden wie Bondi Beach, Coffs Harbour und Byron Bay, probierten exzellenten veganen Wein in einer der weltbekanntesten Weinregionen und genossen die Freiheit und Ruhe, die dieser Lifestyle mit sich bringt. 

Redhead Beach, ein wunderschöner Strand in Australien
Seal Rocks, Traumstrand und Surfspot

Doch dieses, für uns perfekte, Leben sollte schon bald ein Ende haben. Nach nur wenigen Tagen unserer Reise hatte sich Corona auch nach Australien ausgebreitet und die Regierung reagierte schnell und unvorhersehbar. 

Innenansicht von Lottes Van
Im Van lässt es sich hier gut leben
Van bei Redhead Beach
35 Jahre ist mein treuer Begleiter alt

Wir lasen im Internet Geschichten über Camper in Italien und Portugal, die dort in ihren Vans festsaßen, nur geschlossene Campingplätze und keine Möglichkeit um nach Hause zu kommen. 

Auch wir fühlten uns in meinem geliebten Van nicht mehr wohl. So entschlossen wir uns schweren Herzens den Roadtrip abzubrechen und ein Hotel in Byron Bay zu mieten, um die ganze Situation erst mal abzuwarten und dabei ein festes Dach über dem Kopf zu haben. 

Und nun sitze ich hier in meinem vier Sterne Appartement in einem kleinem Hippie-Ort an der Ostküste Australiens und vermisse das unbeschwerte Van-Leben. Ich bin total ungewiss über die Zukunft, so wie jeder andere auch. Doch bin ich einem fremden Land, ohne Einkommensquelle, ohne Job, ohne Anspruch auf Arbeitslosengeld und mit sehr begrenztem Backpacker-Budget. 

Ich habe das Glück meine Mutter hier zu haben, die auf ihr angespartes Geld in Deutschland zurückgreifen kann und muss, um unseren Lebensunterhalt zu zahlen. Doch auch ihr Geld ist begrenzt und reicht natürlich nicht für die Ewigkeit. 

In wenigen Tagen müssen wir aus unserem Hotel ausziehen. Uns stellen sich viele Fragen. Wo geht es für uns hin? Wie lange müssen wir hier bleiben? Können wir bald zurück nach Deutschland? Wollen wir überhaupt zurück? Was passiert, wenn das Geld ausgeht? Und was wird die Regierung machen, wenn unser Visum abläuft? 

Auf viele dieser Fragen haben wir noch keine Antwort. Doch die Zeit bringt Antworten und der Kopf bringt Lösungen. 

Ich möchte diesen Blog nutzen, um im Laufe dieser schwierigen Zeit meine Erfahrungen mit euch zu teilen und aufzuzeigen, wie es Menschen außerhalb ihres Heimatlands in so einer Krisensituation ergeht, wie ich damit umgehe und diese Chance nutze, um mich weiterzuentwickeln.