Solo-Surf-Travel-Tips für Frauen – als einzige Surferin in einem fremden Line-Up

Vor noch einem knappen Jahr habe ich es gehasst alleine surfen zu gehen! Ich habe mich immer unwohl gefühlt, dass mich die ganzen Kerle nicht respektieren und ich keine Welle abbekomme. Und so war es auch.

Jetzt gerade komme ich von einem 3 Stunden Session im australischen Surf-Mecca Byron Bay wieder. It was pumping! – und crowded: auf meiner Sandbank waren ich und rund 50 Typen. Ich gebe zu, hier in Australien ist das eher selten, aber heute war es so: ich war das einzige Mädchen weit und breit, beim Rauspaddeln waren alle Augen auf mich gerichtet. Und ich hatte so viele gute Wellen wie noch nie davor.

volle Line-Ups; aber wo sind die Mädchen?

Aber wie gesagt, so war es nicht immer… Wer kennt es nicht: du paddelst eine Welle an, neben dir ein blonder Lockenkopf mit Sixpack und zu viel Selbstliebe. Ihr beide mastert den Take-Off und obwohl du eindeutig tiefer saßt, kannst du die Welle so oft callen, wie du willst, der Surfer-Boy lässt sich bei seinem Cutback nicht stören. Und das geht dann die ganze Session so weiter. Wenn einer anfängt, dauert es nicht lange bis die anderen auch mitziehen und schon kriegst du keine einzige Welle mehr ab. Bei mir ging es noch weiter und ich fühlte mich so unwohl, dass ich die Welle nicht mal mehr callte, sondern sie dem Prinzen einfach überlassen habe.

Trotzdem entschied ich mich dazu, den Surftrip alleine anzutreten und es war die beste Entscheidung! Aber halt, hier kommt noch nicht die Lösung – einige Monate ging es noch so weiter. Welle anpaddeln, mist da ist noch jemand… ja, ok, du kannst die haben, ich nehme einfach die nächste. Aber Aufgeben war nicht! So wurde ich einfach ein Fan von On-shore-Surf, nicht etwa wegen den guten Windwellen 😉 sondern viel mehr weil die Line-Ups viel leerer waren. Ich verbesserte mich stetig und kann mittlerweile easy mit den australischen Boys mithalten. Und schwups, ich werde in Line-Ups von allen respektiert und surfe jede Welle, die mir zu steht.

Und das liegt nicht daran, dass ich jetzt eine bessere Surferin bin! – ich wünsche mir so sehr, dass ich das meinem jüngeren Ich sagen könnte: ich bin heute schlichtweg selbstbewusster. Klar, dass ein junges, zerbrechliches, schüchternes Mädchen nicht als Gleichgesinnte gesehen wird.

Selbst, wenn du noch auf keinem Profi-Level bist, kannst du dir deinen Respekt im Line-Up verdienen! Zeige einfach etwas mehr Souveränität und gleich macht das Ganze noch viel mehr Spaß! Du hast mindestens genauso hart gearbeitet, um an diesen Punkt zu kommen, wie alle anderen Surfer hier auch! Hattest genauso viel Muskelkater, blaue Flecken und literweise Salzwasser im Bauch. Du verdienst es alle DEINE Wellen zu surfen und Spaß im Wasser zu haben! Confidence is the key!

Leider sind Mädchen im Line-Up immer noch eine Seltenheit. Klar, dass sich alle Boys zu dir umdrehen, wenn du mal wieder als einzige Surferin raus paddelst. Nicht selten bekomme ich eine Anmache im Wasser. Ob und wieweit man eine neue Bekanntschaft führen möchte, ist letztendlich jedem selber überlassen 😉 Falls man gerade nicht in der Stimmung ist reicht meist eine klare, aber nette Ansage und der Typ verkriecht sich wieder. Falls er es doch etwas weiter treiben muss, paddel ich einfach zur nächsten Surfergruppe, z.B. auf die nächste Sandbank (sehe es einfach als gutes Workout ;)). Meistens kriegen andere Surfer schnell mit, wenn ein Typ zu aufdringlich wird und schreiten ein! Soweit, dass er trotzdem nicht locker gelassen hat und ich mich im Line-Up nicht mehr wohl gefühlt habe, ist mir erst zwei mal vorgekommen. Dann habe ich die Session kurzer Hand abgebrochen und mir stattdessen einen guten Kaffee im nächsten Beach-Shack gegönnt. Aufregen bringt auch nichts… ;D Außerdem bringt so ein kleines Kompliment oder auch nur ein Hinterher-Pfeifen, wenn man die Welle runter rast, immer irgendwo einen kleinen confidence-boost mit sich. Just see it positive!

Aber nicht nur die ekligen Kerle bemerken dich. Wenn noch ein anderes Mädchen an deinem Spot surfen ist, wird sie direkt auf dich aufmerksam werden. Ist dir mal aufgefallen, dass alle Girls im Line-Up auf einem Haufen sitzen, selbst wenn sie sich davor noch nie getroffen haben? Wieso ist das so? Ganz einfach, von Anfang an haben sie eine große Gemeinsamkeit: sie sind eines der wenigen Surfer-Mädchen – du auch – das verbindet. Ich habe schon so viele nette Mädels während dem Surfen kennengelernt, viele von Ihnen wurden zu meinen besten Freundinnen!

mit meinen neuen Surf-buddys trinke ich beim Sonnenuntergang ein paar after-surf-beers
– Sunset point, Uluwatu, Bali, Indonesien –

Den Surf-Trip alleine anzutreten, war die beste Entscheidung meines Lebens! Und ich würde es jedem anderen Surfer-Girl empfehlen. Die Freiheit, die das Allein-Reisen bringt ist einfach unbeschreibbar! Jeden Tag kann ich machen und lassen, was ich will.

Doch bringt das auch viel Verantwortung mit sich: jeden Tag muss ICH entscheiden in welche Richtung es gehen wird, alleine ICH bin verantwortlich, was passieren wird. Solo-Travel wird dich nicht nur einmal in eine Situation bringen, wo du dich unwohl fühlst und niemanden Vertrauten um dir hast, der dir aus der Peitsche hilft. Doch das sind die Momente, die es für mich so besonders machen! Diese Momente prägen dich für dein Leben und du wirst danach stärker dastehen als davor. Ich merke, wie sehr ich schon in diesen 9 Monaten gewachsen bin und freue mich so sehr auf die nächsten Monate und Jahre, die noch vor mir stehen. Und das Beste daran: ich kann jeden Tag surfen gehen!!

Zum Weiterlesen:

Janine von Goodtimes Mag berichtet von ihrem Solo-Surftrip nach Portugal. Sehr angenehm zu lesen, mit vielen Tips und Motivation für reisende Surf-Chiccas!
https://goodtimes-mag.de/unterwegs-portugal/

Sabine von Sea you soon gibt hilfreiche Tips, um als Frau sicher um die Welt zu reisen:
https://www.seayousoon.de/sicherheit-im-surfurlaub-als-frau-alleine-in-den-surfurlaub/

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